Sittler & Millowitsch - Alte Liebe

Walter Sittler und Mariele Millowitsch lesen aus "Alte Liebe" - Nach dem Roman von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder

"Lass uns so sein, dass wir andere nicht beneiden müssen!"

Eine Ehe muss nicht, sobald sie geschlossen ist, zwangsläufig das Ende der Liebe sein. Vierzig Jahre Ehe SIND eben auch nicht nur anfangs wilde Liebe, sondern auch später liebe Windungen. Windungen zeichnen sich aber auch dadurch aus, dass alles, manchmal zumindest, auch wieder zum Althergebrachten führen kann.

Täglich gehen Lore und Harry durch diesen langanhaltenden Prozess, wollen die "Balance zwischen Leben und Tod" schaffen, wollen das aber, jeder für sich auf dem jeweiligen individuellen Weg schaffern. Er hat den Garten, sie das Warten. Trotzdem macht dieser Abend Hoffnung, weil die beiden es schaffen zu zeigen, dass eine Liebe eben nicht nur die Erotik der frühen Tage, sondern auch das Neu Erkennen der späten Jahre beinhaltet.

Grandios vorgetragen von den Schauspielern Mariele Millowitsch und Walter Sittler, zwei, die sich vor Jahrzehnten im Fernsehen gesucht und gefunden haben, die beide gleich ticken und spielen.

Mariele Millowitsch/Walter Sittler „Wir haben dasselbe Uhrwerk“
QUELLE: KÖLNER STADTANZEIGER, 29.11.

Frau Millowitsch, Herr Sittler, Sie sind ein eingespieltes Team. Was schätzen Sie aneinander?
Walter Sittler: Wir mögen uns eigentlich gar nicht (lacht).
Mariele Millowitsch: Ja, Walter ist ein eitler Fatzke, gönnt einem keine Pointe und quatscht rein, wenn er nicht dran ist (lacht). Spaß beiseite: Walter ist der fairste Kollege, den ich kenne. Er ist absolut uneitel.
Sittler: Uns geht es nur darum, dass die Szenen gut werden, nicht um Eitelkeiten oder Wohnwagen.

Wohnwagen?
Millowitsch: Ja, bei manchen Hauptdarstellern geht es um die Frage: Wer hat den größten Wohnwagen am Set?
Sittler: Wir haben dasselbe Uhrwerk, das passt einfach zusammen. Es ist schön, das zu haben. Das pflegen wir – auch privat.

Herr Sittler, Sie spielen in „Der große Schwindel“ eine Doppelrolle und zwei völlig verschiedene Charaktere. War das eine Herausforderung?
Sittler: Es war keine so große Herausforderung, weil Georg nur in wenigen Szenen zu sehen ist. Eigentlich geht es nur um Günther, der in die Rolle seines Zwillingsbruders Georg schlüpft. Aber Günther ist einfach kein Schauspieler. Da scheint immer der richtige Günther durch. Sobald er Elli sieht, macht er eh alles falsch.

Was macht eine gute Komödie aus?
Sittler: Der Irrsinn des Lebens, den wir alle kennen, muss in der Komödie vorhanden sein, ohne dass es tragisch wird. Der Übergang zur Tragödie ist minimal. Da muss man so nah wie möglich dran. „Manche mögen’s heiß“ ist eine der wenigen Komödien schlechthin. Das Leben ist verzweiflungsvoll, eine Katastrophe, aber trotzdem lachst du dich kaputt. Das ist das Kunststück.
Millowitsch: Ich bin ein großer Charlie Chaplin-Fan. Ich liebe es, wie er in „Moderne Zeiten“ völlig an der Technik verzweifelt.
Sittler: In „Der große Schwindel“ ist die Amnesie die Katastrophe, an der sich die Handlung entlang hangelt und an der sich der Irrsinn des Lebens zeigt. Und dann wird es komisch. Es ist wichtig, dass es ausreichend komisch bleibt. Wenn eine Komödie als Komödie gedacht ist und tragisch wird, ist das grauenvoll.

Georg hat eine Midlife-Crisis, will ein neues Leben beginnen. Hadern Sie manchmal mit Ihrem Leben?
Sittler: In meinem Beruf hadere ich ständig mit allem möglichen. Man fängt Rollen an, muss es irgendwie hinkriegen. Anschließend ist man verschiedenen Leuten ausgeliefert, die einen beurteilen und verurteilen. Damit muss man klarkommen. Das ist nicht immer schön, aber Teil des Berufs.

Elli verliert im Film ihr Gedächtnis. Ist das für Sie eine erschreckende Vorstellung oder hätte das seinen Reiz?
Millowitsch: Das ist eine sehr erschreckende Vorstellung. Ich möchte nichts aus meinem Leben vergessen.

Denn alle Erfahrungen und Erlebnisse machen die Mariele aus, die hier heute sitzt. Wenn 25 Jahre wie im Film einfach weg sind, ist das der blanke Horror.
Sie spielen beide in Krimi-Reihen mit. Wo fühlen Sie sich eher zu Hause:                                                                                                                                                                        

Im Krimi oder in der Komödie?
Millowitsch: Das kann ich gar nicht sagen.                                                                                                                                                                                                                                          

Der Ausflug ins Komödienfach mit Walter war toll neben den „Marie Brand“-Filmen.

Sittler: Ja, es war sehr schön. Ich beginne jetzt, mich überhaupt in meinem Beruf zu Hause zu fühlen.                                                                                

So lange hat es gedauert. Allmählich bereiten mir neue Projekte keine Sorgen mehr.

Früher haben Sie viel fürs Privatfernsehen gedreht, heute arbeiten Sie für öffentlich-rechtliche Sender. Wie unterscheiden sich die Drehbedingungen?
Sittler: Die öffentlich-rechtlichen Sender machen nicht so viel Bohei. Und die Drehbedingungen sind bei den Öffentlichen mindestens so gut wie bei den Privaten. Eher besser.
Millowitsch: Bei den Privatsendern wechseln die Ansprechpartner häufiger, da hat man keine zuverlässigen Partner. Das finde ich anstrengend. Außerdem werden 90-Minuten-Filme von Werbeblöcken unterbrochen. Das macht die ganze Story kaputt.

Das Gespräch führte Kathy Stolzenbach

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Sittler & Millowitsch - Alte Liebe
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